Vietnam und Kambodscha mit dem Rucksack – mit dem Nachtzug nach Sa Pa

Im September und Oktober 2013 konnte ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Ich kam nicht nur nach dreijähriger Abwesenheit zurück nach Asien – dieser Südostasientrip  sollte mich sogar erstmalig nach Vietnam und Kambodscha bringen. Für diese Reise, die meinen Freund und mich vom äußersten Norden bis in den Süden Vietnams und nach Kambodscha führen sollte, hatte ich einen Rucksacktrip mit leichtem Gepäck geplant. Nur mit dem Notwendigsten und meiner Technik ausgestattet, landete ich Mitte September in Hanoi.

 

jede Menge Scooter in Hanoi

jede Menge Scooter in Hanoi

 

Die große Stadt mit ihren tausenden und abertausenden von Scooter Fahrern erschlug uns förmlich an den ersten Tagen. Wir mussten zum Beispiel Straßenüberquerungen ganz neu lernen. Auf den befahrenen Straßen, auf denen der Verkehr nie zu stoppen scheint, ist es tatsächlich eine Kunst heil von einer auf die andere Straßenseite zu kommen. Der Trick: ganz langsam weitergehen und nie stehen bleiben. Als ich das verstanden hatte, ging es. Obwohl Hanoi riesengroß, sehr laut und recht verschmutzt ist, gibt es doch sehr viele interessante Dinge in der lebendigen Stadt zu sehen und zu entdecken. So hatte ich später für Hanoi gesondert drei Tage eingeplant. Doch zunächst zog es uns in den hohen Norden des Landes.

 

Es gibt in den nördlichen vietnamesischen Bergen einige interessante Orte zu bereisen, von denen aus nicht nur Ausflüge in die Natur, sondern auch über die chinesische Grenze möglich sind. Doch wir hatten noch eine lange Reise vor uns und wollten uns zunächst von den einzelnen Regionen Vietnams einen Überblick verschaffen. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich bei meiner nächsten Vietnamreise ganz sicher einen längeren Aufenthalt im Norden einplanen werde. Für Norden, Gebirge und Erstaufenthalt bietet sich Sa Pa und Umgebung meiner Meinung nach sehr gut an. Die Anreise dorthin ist über Nacht machbar. Zudem werden bereits in Hanoi die vielfältigsten „Sa Pa Aufenthaltspakete“ von den Reiseagenturen angeboten, so dass die Organisation einer individuellen Kurzreise nach Sa Pa von Hanoi aus problemlos möglich ist.

 

Ich bin wanderbegeistert und liebe die Berge. So saßen wir bereits kurze Zeit nach unserer Ankunft in Hanoi im Nachtzug nach Sa Pa. Obwohl es von Hanoi nach Sa Pa nur ca. 350 Kilometer sind, dauert die Reise mit dem Zug 9 Stunden. Wer Zeit sparen möchte, nimmt den Nachtzug. Wer mehr vom Land sehen möchte, dem sei der Zug am Tag zu empfehlen. Wir wollten möglichst schnell ankommen und wählten den Nachtzug. Nachtzüge sind neben dem Fliegen in Vietnam grundsätzlich eine gute Reisemöglichkeit. Sie sind schneller als die Busse und zudem weitaus bequemer. Der Reisende ist zumeist gleich am nächsten Morgen am Reiseziel und kann auf diese Art noch eine Übernachtung im Hotel einsparen.

 

Mit einem überfüllten Minibus ging es durch das belebte abendliche Hanoi. Erst in letzter Minute hatte uns der bereits mit Travellern aus aller Welt überfüllte Minibus abgeholt, um uns zur Bahnstation bringen. Ich dachte, dass wir keinen Platz mehr im Bus finden würden. Doch neben uns nahmen noch vier weitere Reisegäste aus der Schweiz Platz. In einem asiatischen Bus scheint auf die eine oder andere Art der Platz nie auszugehen.

 

Als der Busfahrer am Bahnhof in Hanoi die Türen öffnete, purzelten wir Fahrgäste mit unserem Gepäck mehr oder minder aus dem Wagen. Doch keine Zeit für Beschwerden. Ein Nachtzug wartet nicht. In einer großen Menschenmenge wurden wir quer durch das Bahnhofsgebäude und dann zwischen die Gleise der verschiedenen Nachtzüge geschoben. Mehrfach mussten wir die Fahrkarten zeigen. Dann standen wir bei Dunkelheit irgendwo zwischen den Zügen. Einen Bahnsteig gab es nicht. Nur vietnamesische Bahnbedienstete, die zwischen den Gleisen mit Laternen hin und herliefen. Uns war gesagt worden, dass wir genau in den Wagen, die auf unserem Ticket angegeben sei, einsteigen müssten. Denn eine Verbindung zwischen den einzelnen Waggons gäbe es nicht.

 

So versuchten wir bei der Szenerie, die mich auf eine merkwürdige Weise an Harry Potters Zug nach Hogwarts erinnerte, ein wenig Licht von den flackernden Laternen zu ergattern, um bloß nicht in den falschen Waggon zu steigen. Doch trotz Dunkelheit und Gedränge saßen wir bereits kurze Zeit später zusammen mit einem schwedischen Paar in unserem Vierbettabteil. Das Abteil wirkte mit dem dunklen Holz wie der gesamte Zug ein wenig altertümlich. Doch die Betten waren praktisch und bequem. Gewöhnungsbedürftig auch, dass die Türen nach außen und zu den anderen Waggons verschlossen wurden. Doch als der Zug sich in Bewegung setzte, schaukelten mich die rhythmischen Zugbewegungen sehr schnell in den Schlaf.

 

Ruhe im Nachtzug

Ruhe im Nachtzug

 

Und ehe ich mich versah, wurden wir um 5.00 Uhr von dem Zugbegleiter geweckt, da der Zug gleich in der Bahnstation Láo Cai sein würde. Wer Probleme mit dem Wachwerden zu dieser frühen Stunde hat, kann beim Zugbegleiter einen Kaffee ordern. Der Geschmack des Zugkaffees ist dann allerdings tatsächlich Geschmackssache. Er besteht 90% aus Zucker und trifft damit meinen Geschmack leider überhaupt nicht. Andere Mitreisende legten sich mit dem Zugbegleiter an, da dieser versuchte, sich mit dem alten Trick: „Ich habe leider kein Wechselgeld“, sein Budget ein wenig aufzubessern. Doch auch bei unseren Mitreisenden war der Ärger schnell vergessen, als wir vor der Bahnstation in Minibusse gesetzt wurden, die uns nun zu unserem Ziel Sa Pa bringen sollten. Wir erlebten unterwegs einen herrlichen Sonnenaufgang über den grünen Reisfeldern. Und das alles vor einer umwerfenden Bergkulisse.

 

Im kleinen Gebirgsort Sa Pa angekommen, konnten wir in unserem kleinen sauberen Hotel nicht nur ein Frühstück auf einer Aussichtsterrasse genießen, sondern auch sehr schnell unsere Zimmer beziehen. Was für eine wunderschöne Aussicht über die Berge und die Stadt. Alternativ lässt es sich in Sa Pa auch sehr gut in den sogenannten Homestays bei Familien wohnen. Diese Art des Wohnens ist günstig und bietet die Möglichkeit, die Vietnamesen unmittelbar in Familie kennen zu lernen. Wer nach Sa Pa im Winter reist, sollte allein wegen der Wärme einen Homestay dem Hotel vorziehen. Denn während die meisten Hotels auch zu der kalten Jahreszeit nicht geheizt werden, ist es im Homestay am heimischen Feuer immer warm. Doch wer wie wir nach der Regenzeit im September hier oben in den Bergen ankommt, muss im Allgemeinen nicht frieren. Die Temperaturen sind gemäßigter als in Hanoi oder in Südvietnam. Doch es ist zumeist trocken und immer noch sommerlich warm mit Durchschnittstemperaturen über 20 Grad. Kühler wird es allerdings je höher man in das Gebirge kommt.

 

Die Luft in Sa Pa, das auf 1500 Höhenmeter und nur 40 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt liegt, ist sauber und klar. Nach der „dicken“ Luft in Hanoi machte mir das Durchatmen der frischen Bergluft wieder richtig Spaß.

 

Gruppe von "Tourguides" in Sa Pa

Gruppe von „Tourguides“ in Sa Pa

 

Noch gleich am ersten Tag ging es nach einem guten Frühstück  in Kleingruppen auf unseren ersten Hiking Ausflug. Zu meinem Erstaunen waren die Tour Guides hier nicht mit schweren Bergstiefeln oder Wanderrucksäcken oder anderer Hiking Ausrüstung ausgestattet, sondern sie kamen in der Tracht der Bergvölker.

 

Im nördlichen Teil von Vietnam gibt es mehrere ethnische Minderheitengruppen, die hier in einsam gelegenen Bergdörfern abgeschieden von den anderen Vietnamesen leben. In den Bergen des Nordens sind das u. a. die Muong, die Thai, die Tay, die H´mong, die Dao und die Giay. Schnell erfuhren wir, dass unsere „Führerin“ Yem hieß. Sie erklärte mir, dass in unmittelbarer Nähe von Sa Pa hauptsächlich die Muong und die Dao, deren Frauen an den roten Kopfschmuck zu erkennen sind, leben würden.

 

Warten auf Touristen

Warten auf Touristen

 

Die ethnischen Minderheiten der Bergvölker leben in eigenen Gebieten und Dörfern zusammen und kommen zumeist nur zum Arbeiten in die Städte. Die meisten Bergführerinnen in Sa Pa sind vom Stamm der Muong. Und auch wenn sie mit ihrer Bergtracht und weißen Plastikschlappen auf den ersten Eindruck anders wirken, bewegen sich diese Frauen doch auf schwerstem Wanderterrain wie die Bergziegen. Häufig haben sie noch ein Baby um den Bauch gebunden, balancieren auf dem Kopf eine Last und haben in der Hand einen Regenschirm, der sie ein wenig vor Sonne schützen soll. Doch das hindert sie nicht, absolut trittsicher auf schmalsten gerölligen Wegen am Abgrund entlang zu spazieren.

 

Die erste Wanderung mit Yem führte uns nur einige Hundert Höhenmeter abwärts zu einem kleinen Dorf. Doch nach der langen Nacht im Zug war auch diese kleine Wanderung bereits recht anspruchsvoll. Im Dorf angekommen besichtigten wir Einkaufsläden, die Dorfschule und unterhielten uns mit den Einwohnern. Dann ging es raus in die Natur. Weite Reisfelder und ein erster Wasserfall erwarteten uns.

 

Trittsicher auch auf schwersten Wegen

Trittsicher auch auf schwersten Wegen

 

Am Nachmittag fanden wir dann ausreichend Zeit, den Ort Sa Pa ein wenig näher anzuschauen. Es gibt große Märkte und überall versuchen die Frauen der Bergvölker ihre handgemachten Produkte zu verkaufen. Sicher kein leichtes Geschäft, denn es gibt unzählige Anbieter und auch die Einwohner von Sa Pa versuchen ihre Waren an die Touristen zu bringen. Viele Geschäfte haben sich in Sa Pa auf Hiking und Treckingprodukte spezialisiert, die hier überall an den Mann und die Frau gebracht werden. Doch vorsichtig. Nicht überall „wo ein Markenname drauf steht“ handelt es sich auch tatsächlich um eine Marke. Ein großer „Markenrucksack“ für umgerechnet 10 € kann einfach kein Original sein.

 

Auf meine Frage, ob der schöne blaue Rucksack denn hier wirklich ein Originalmarkenrucksack sei, da das Echtheitsemblem doch fehle, grinste der Verkäufer mich an und meinte: „Nein, das ist kein Original. Aber Level 1 nach dem Original“. Ok, da hatte ich wieder etwas dazu gelernt.

 

Doch es gibt in Sa Pa neben dem Ort mit seinen Märkten und interessanten Bauwerken sowie der Kirche auch ein Museum zu besichtigen. Hier konnten wir uns recht gut über die verschiedenen der hier lebenden Minderheiten und ihre Traditionen informieren. Von der Natur um Sa Pa und den Wandertouren zu den Muongs berichte ich das nächste Mal.

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