Mein Sabbatjahr

Mit 55 Jahren wollte ich noch einmal etwas anderes machen. Der Sohn hatte gerade sein Abitur bestanden, die Tochter studierte.

Ein Jahr hatte ich voll gearbeitet und für mein Sabbatjahr 1/3 weniger Gehalt bezogen. Auch finanziell hatte es keine Probleme gegeben. Eigentlich sah alles recht einfach aus. Doch ein ganzes Jahr allein reisen? Halte ich das durch? Was ist, wenn ich krank werde? Niemanden mit dem man sich austauschen kann? Fragen über Fragen, Ängste über Ängste. Ich versuchte sehr intensiv eine/n Reisepartner/in für die Zeit oder zumindest für einen Teil meines Sabbatjahres zu finden. Ohne Erfolg!

Heute, am Ende meines Sabbatjahres, kann ich sagen, dass all meine Ängste und Befürchtungen unnötig waren, im Gegenteil: Schnell konnte ich feststellen, dass das Alleinreisen große Vorteile hat. Man lernt schnell Leute kennen, mit denen man auch einige Tage oder sogar Wochen gemeinsam reist. Mein Alter war überhaupt kein Problem auch, wenn die meisten Backpacker zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Man muss allerdings immer wieder auf Leute zugehen und sie ansprechen.

Ich möchte jedem Mut machen, seine Ängste zu überwinden und in die Welt hinauszureisen.

Von meinen früheren Reisen, die allerdings ‚backpackermäßig’ etwa 30 Jahre zurücklagen, wusste ich, dass die asiatischen Länder mich immer gereizt und mir sehr gefallen haben. Warum dort nicht starten und die damals noch nicht zu bereisenden  Länder Vietnam, Kambodscha und Laos aufzusuchen?!

So stand meine Reiseroute in etwa fest: Zwischenstop in Singapur, um  3 Monate Asien zu bereisen. Der Weiterflug nach Australien musste schon in Deutschland festgelegt werden. Der Rückflug nach Deutschland konnte zum Glück offen bleiben, da auch ein Computer nicht schon so lange im voraus planen kann.

Elf  Länder habe ich in diesem Jahr bereist:

Singapur, Bali und Lombok, Malaysia, Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Australien, Fidschi-Inseln, Neuseeland, Myanmar.

Eine kurze Beschreibung meiner Reiseroute:

Von Singapur nach Malaysia – Tioman, Nationalpark Tamaran Negara und ‚ganz schnell’ auf dem Landweg nach Laos. Nach Vietnam und Kambodscha fand ich dann auf den thailändischen Inseln Koh Samui und Koh Pi Pi den nötigen Abstand von Asien, bevor ich dann von Singapur nach Sydney weiterflog. Ein halbjähriges Visum für Australien, dass ich mir selber in Berlin ohne Schwierigkeiten besorgt hatte, ermöglichte mir dort den Aufenthalt für 5 Monate. Ich hatte nicht alles, aber doch sehr, sehr viel in dieser Zeit von diesem Kontinent sehen können, hauptsächlich mit Greyhound und Mc Cafferty’s Bussen – 15.000 km, die ich mir mit einem Paket von 50 Jugendherbergsübernachtungen schon in Deutschland gekauft hatte.

Zwischenzeitlich hatte ich jemanden getroffen der auf den Fidschi-Inseln gewesen war und mir den Rat gab, doch diese Chance zu nutzen um das Fidschi-Leben kennen zu lernen. Diese 16 Tage zwischen Australien und Neuseeland habe ich nie bereut, im Gegenteil, sie werden unvergessen bleiben und werden hoffentlich noch lange auf mein Alltagsleben Auswirkung haben.

Neun Wochen Neuseeland haben es mir ebenfalls ermöglicht, die Dinge zu sehen, die mich interessierten und ohnehin wurde es für mich dann auch Zeit wieder nach Asien zu fliegen, da es auf der Südinsel Ende Mai schon empfindlich kalt wurde.

Da ich von anderen Reisenden gehört hatte, dass Myanmar ein lohnendes Reiseziel sei, hatte ich mir noch etwa 4 Wochen zum Schluss für Asien aufgehoben. Das Land Myanmar war ein krönender Abschluss meines Sabbatjahres. Trotz der Armut sind die Menschen fröhlich, freundlich und sehr ehrlich, was ein guter Ausgleich ist zu den miserablen Straßenverhältnissen und den damit verbundenen anstrengenden Fahrten und dem teilweise großen Schmutz und Dreck vor allem in Yangon.

Hier einige meiner Erlebnisse in Kurzform:

–       Black Water Rafting in den Glühwurm-Höhlen von Waitomo in Nord-Neuseeland

–       Windsurfen in 6 m hohen Wellen von Lancelin, Westküste Australiens

–       Wanderte einen der besten und bekanntesten 4-Tage-Track der Welt, den Mildford Sound in Süd-Neuseeland

–       Besuchte die verschiedenen Bergstämme im Shan-Gebiet von Myanmar und auf den Fidschi-Inseln auf Ovalao im Dorf Navala

–       Schnorchelte an den besten Stellen der Welt: Great Barrier Reef, Nord-Ost Australien und den Fidschi-Inseln auf Nananu-I-Ra

–       Ich war fasziniert von der Vielzahl der verschiedenen Tiere hauptsächlich in Australien und Neuseeland, die ich vorher in meinem Leben noch nicht gesehen habe.

–       Besuchte eine Menge herrlicher Museen und Kunst-Gallerien in Australien und Neuseeland und lernte einiges über die Aboriginals und Maries

–       Ich war überwältigt von den Königsgräbern in Hué / Vietnam, dem größten Tempelgebiet der Welt, Ankor Wat in Kambodscha, der Shwedagon  Pagode in Yangon und den 1000-Jahre alten Königs-Tempeln bei Bagan in Myanmar

–       War fasziniert was Mutter Natur alles formt und gestaltet, wie die 12 Apostel an der Great Ocean Road, Südküste Australiens und den Pancake Rocks nördlich von Greymouth in Süd-Neuseeland

–       Erholte und entspannte mich an den schönsten Stränden der Welt, wie White Heaven Beach auf Whitsundays, Ost-Australien, Coral Bay, West-Australien, Magret River und Esperance in Süd-West-Australien und Leluvia, Nananu-I-Ra und Mana Island auf den Fidschis.

Ein erlebnisreiches Jahr ist zu Ende, ohne Krankheit und dem Wissen, dass ich mit sehr wenig Geld auskommen kann.

So steht für mich schon heute fest, dass ich, sobald ich in den Ruhestand gehen kann,  dies tun werde und, wenn es mein Gesundheitszustand zulässt, weiter die Welt bereisen werde.

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